Vita

Ich bin in einem alten Haus aufgewachsen. Es gab dort Räume, die nicht mehr bewohnt wurden. So zwischen Wohnhaus und Scheune, wo die Hafermühle stand. Dicke Schichten von Staub über Allem. Bretter, Balken, alte Werkzeuge, Relikte aus vergangenen Zeiten schienen zu sprechen. Von den Bodendielen rieselte der alte Lehm, von einem Stockwerk ins nächste. Es war nicht ungefährlich dort herumzuklettern. Die Mutter hatte uns den Aufenthalt dort verboten. Sie wusste nicht immer wo wir waren, sie hatte viel zu tun. Dort spielten wir als Kinder am liebsten. Der Staub fühlte sich weich an, wie ein Teppich unter meinen nackten Füßen. Hier flirrte die Sonne besonders hell durch die gebrochenen Dachpfannen. Die Geräusche vom Leben da draußen waren nicht für mich bestimmt. Manchmal war ich dort allein. Alles konnte ich vergessen an diesem Ort, niemand würde mich hier suchen. Ich fühlte mich sehr geborgen und eins mit Gott und der Welt.

Ich vergaß diese Momente für viele Jahre und ging meinen Weg. Ich ahnte nicht im Geringsten, was ich da geschenkt bekommen hatte.

Später, Jahrzehnte später, entdeckte ich dann, dass mich Orte sehr berührten. So folgte ich meinen Impulsen und begann in meinem Elternhaus, einem alten Vierkanthof in Otzenrath, in dem ich aufgewachsen bin, mit meiner Malerei. Ich malte am Ort mit den Farben, die ich vorfand. Dies waren „Deutz“ rot und grün, Fußbodenfarbe, Fassadenfarbe , Rostschutzfarbe „Mennige“, Reste der Lacke, die mein Vater für Hoftüren, Traktoranhänger, Fussböden und Hausfassade vor Jahrzehnten benutzt hatte. Ich malte mit Erden von Garten, Feldern und dem Friedhof. So entstanden die „Hofbilder“ und die „Erdbilder“.

Weitere Malorte waren der „Behre Hoff“ (Vierkanthof in Otzenrath, nach seinem Pächter umgangssprachlich benannt) und die entweihte, im Braunkohlenabbaugebiet gelegene, von RWE Power abgerissene Ev. Kirche, deren Geschichte mit der meiner Familie eng zusammenhing. Bei meinen Streifzügen durch die mehr oder weniger menschenleeren Dörfer fand ich, was die ehemaligen Bewohner zurückgelassen hatten. Die verwaisten Orte inspirierten mich.

Garzweiler II heißt das Projekt, das für die Energiegewinnung durch Braunkohle eine ganze Region verschwinden lässt. Der Ort Otzenrath, der für mich und viele andere ein Stück Heimat bedeutete, wurde 2007 dem Erdboden gleich gemacht.

Es folgten weitere Malorte u.a. die „Kamper Mühle“ in Grevenbroich, das Stellwerk in Oekoven/Rommerskirchen, ein leerstehendes Haus in der Valle Maira (Italien) usw.
Auch Begegnungen mit Menschen finden sich in meinen Bildern.

Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist seit einigen Jahren das, was in meiner familiären Vergangenheit, durch die Hinwendung zu meinen Ahnen, entsteht. In Entstehungsprozessen erlebe ich versöhnliche und heilsame Momente, die mich sehr bereichern.

1951in Immerath/Heinsberg geboren
1975Diplom-Sozialarbeiterin
1975-1991Berufstätigkeit und Familiengründung
1995-1996Ausbildung Sozialtherapie Kunst und Gestaltung
2008-2014Kunsterzieherin an Förderschule Lernen und Sprache

Malorte/Ateliers

Der elterliche Hof in Otzenrath1996-2000
Kamper Mühle in Grevenbroich2001-2003
„Behre Hoff“ in Otzenrath, Hofstraße2002
Atelierausstellung mit Inge Broska im „Behre Hoff“2002
Stellwerk in Rommerskirchen-Oekoven mit Atelierausstellung2003
San Martino, Piemont, Italien2003
Am Hammerwerk in Grevenbroich2004
In der entweihten Evangelischen Kirche in Otzenrath,
mit Atelierausstellung
2005
Alte Schule in Grevenbroich, Gustorf, mit Atelierausstellung2008-2010
Atelier „zu Hause“Seit 2010